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Poesie 2019

August

Utopie & Halbwertzeit


Da ist sie nun, die neue Sicht auf die Dinge,

kompromisslos ehrlich und entwaffnend konkret.

Sie ist die sich immer enger ziehende Schlinge

am Hals der nach Luft japsenden Realität.


Sie ist die Arche Noah für vernünftiges Denken,

Zuflucht für alle, denen es endgültig reicht,

die Hoffnung, das Idealisten bald lenken,

wenn man Alteingesessene aus den Chefsesseln streicht.


Da ist sie nun also, diese Sicht auf die Dinge,

wird älter, kriegt Kinder, studiert Ökologie,

träumt noch zuweilen, graviert sich zwei Ringe,

und fährt, nur wenn es sein muss, ein Miet-SUV.



Juli

Hitze


Im Wasser schwimmt, das kann man seh’n,

ein Teppich voller Sonnencreme;

Folglich werd’ ich keine brauchen,

ich gehe ja tauchen…



Juni

Sturm


Heute kommt Sturm.

Wetterdienst warnt vor fallenden Sachen

und mahnt, besser gleich zu Hause zu bleiben.

schön, wer die Wahl hat, mal halblang zu machen,

mein Chef würde lachend die Kündigung schreiben.


Heute ist Sturm.

Ausnahmezustand, liest man sie twittern,

Rosen tosen in Windrosen wild, 

Hosen knittern, Fenster splittern,

selbst Brückengeländer sieht man nun zittern,

ein Dachziegel schlägt an das Parkverbotsschild.


Heute war Sturm.

Zerborstene Gärten, Gestrüpp überall,

Der Stadtwald sieht aus, als hätte er Skorbut.

Bisher ging es noch jedes Mal gut.

Der kleine Ausblick auf den großen Knall

lief 30 Minuten, dann stoppte der Spuk:

na Gottseidank tun wir ja alle schon mehr als genug…




Mai

Streik von Rot Grün


Letzten Mittwoch ist geschehen,

was sich niemand träumen ließ.

Seit Gewerkschaftsflaggen wehen

und der Wind des Streikes blies.


Rot & Grün, ganz eng verbunden,

schöne neue Einigkeit,

haben sich hier eingefunden.

Niemand arbeitet zur Zeit.


Alles steht, der Stadtpuls stockt

und Anarchie kriecht durch die Stadt,

ein Streikender sagt, „Selbst verbockt,

weil ihr uns nie beachtet habt!“


Die Feuerwehr ist überlastet,

Unfallzahlen steigen an,

der eine oder andre hastet

fingerkreuzend über’n Damm.


Pfiffe, Rufe und Getrampel,

langsam wird es allen klar,

seit diesem Tag sind alle Ampel-

männchen plötzlich nicht mehr da.


April

Frühling mit Tempo


Der letzte Schnee taut oben in den Bergen,

die Blüten treiben und das Bunt kehrt behutsam zurück,

Welch ein Zauber, Natur und mit tausend Gebärden

tanzt das Leben zur frühlingsdurchtränkten Musik.


Ja, er ist es und ja, es wäre unglaublich toll,

wäre nicht immer einhergehend meine Nase so voll.



März

Im Tunnel


Irgendwann fuhr man wohl ganz unbedarft dort hinein,

vermutlich, weil das Schild davor es einem so wies,

erst ganz behutsam, die Blicke wach, die Schritte klein.

Wer weiß, vielleicht folgt ja bald ein Paradies?


Man fährt und fährt, tauscht gelegentlich Spuren,

wird überholt oder zieht selbst gleichwohl an wem vorbei.

Die Kilometer zählen unermüdlich hoch, genau wie Uhren.

rechts eine Wand, links eine Wand, Blicksklaverei.


Licht folgt auf Licht, stoisch in der Ferne festgestarrt,

der Tempomat hat jedes kleine Detail längst verwischt.

Schieben und geschoben werden, ein Stillstand, nur bei voller Fahrt.

Der Weg das Ziel? Ein letztes winziges Flämmchen erlischt.


Irgendwann fuhr man wohl ganz unbedarft hier herein,

vermutlich, weil das Schild davor es einem so wies,

Damit es nicht wehtut, redet man alles schön klein

und wer weiß, vielleicht gibt es ja gar kein Paradies…


Februar
König Phlegmagon, der Erste


Er ist so faul, scheut jeden Gang,

die andern müssen schnaufen,

wenn er was will, pfeift er sie ran

und triezt ein jeden Untertan,

sogar den Kaffee lässt er laufen.



Januar

HobbySkiProfiBallade


Jedes Jahr zu Winterzeiten

pilgert er ins Skiresort.

Zwei Bretter in den weißen Weiten

gleiten all der Last hinfort.


Es ist sein Mantra, seine Quelle

neuer Kräfte kurz gesagt,

sein Tag ist wie ein Berggefälle; 

es geht bergauf, geht es bergab.


Nun schneite es erbarmungslos

und Ordner sperrten viele Hänge,

Hinweistafeln waren groß,

sein Ego schlug sie noch um Länge.


Puls ging hoch, der Hang hinunter,

nach ihm die Lawine ab,

es ging nicht gut, denn er ging unter,

schönes großes weißes Grab.


Sein Riesenego war bedrückt,

es blieb am Ende ganz vergraben,

zu klein, um wenigstens ein Stück

aus dem Schnee hinauszuragen.