IFA Kombinat IG
entdecken sie Wartburg und Co und einen Kerzenstecker voll Verkehrspoesie!

Poesie 2010

Dezember – Heilig Abend
Kurz gesagt, Weihnachten

Baum raus, Zeug ran, Kerzen,
Lametta, Schokoherzen
und prall gefüllte Teller.
Bitte, Danke, reich beschenkt
und wieder geht es schneller,
als man denkt.

 

Dezember - Nikolaus
Nachts sind alle Schuhe grün
 

Der Nikolaus der Postmoderne
ist präparierter als man denkt,
er kommt nicht mehr mit Gaslaterne,
auf Schlitten und vom Pferd gelenkt.

Feinste Technik kann man sehen,
GPS bestimmt den Weg
und wo die ganzen Schuhe stehen,
verdeutlicht sein Nachtsichtgerät.
 
Doch eben dieses bietet Raum
für kleine Manipulationen,
denn Farben sieht er leider kaum,
so könnte sich die Täuschung lohnen;

Sind deine Schuhe nicht ganz reinlich,
reib’ den Schmutz gleichmäßig ein,
im Dunkeln werden sie wahrscheinlich
gleichmäßig grün und dann vermeintlich
frisch geputzt und sauber sein.

November
Gesprenkelte Nickis

Der ABV geht durch die Straße,
rümpft die Nase, als er sieht,
dass vor Ort in hohem Maße
Lärmbelästigung geschieht.

Die Konsumdamen aus dem Sechsten,
Fünfpluseinsten, wie es heißt,
strichen Decken, bis sie klecksten.
Das Vordach ist nun auch geweißt.

Der Hauswart brüllt aus vollem Leibe,
die Damen kontern wild zurück,
der ganze Block steht an der Scheibe,
jeder lauscht ein kleines Stück.

Der ABV will etwas schlichten,
reicht die Schlagersüß herum,
vergleicht die Tathergangsgeschichten
rings um Volkes Eigentum.

Die Damen haben den Balkon
in bester Absicht eingefärbt,
des Hauswarts Nicki zeugt davon,
weshalb er sich noch mehr beschwert.

Ein junges Mädchen kommt vorbei
und sieht den Hauswart innig an,
erklärt, wie schön das Nicki sei
und dass es ust betören kann.

Der Hauswart wird schon wieder rot,
was sicher der Genosse schätzt,
er dankt den Damen und die Not
wird planwirtschaftlich umgesetzt.


Oktober
Bushaltestelle

Einer sitzt da, liest Zeitung und kaut
auf seinen gemachten Broten.
Er kratzt sich am Kopf und ab und an schaut
er zu den ganzen Idioten.

Die stehen dumm rum, einige zittern,
der Regen erhöht den Ertrag,
der Wind kneift ins Knie, als würde es splittern,
im Gänsehautmarsch bis ins Mark.

Ein Rentner versucht noch, durch Redundanz
im Lesen der Busabfahrtszeiten
beim Fuhrunternehmen die Toleranz
des Zeitfensters auszuweiten.

Nun faltet der eine die Zeitung belesen
und schluckt, wie die Kasse Gebühren,
den Bodensatz Kaffee vom Fahrkartentresen
und öffnet dann endlich die Türen.

September
Politessen

Warum kommen Ordnungswächter selten ganz allein?
Nicht etwa, weil die Parkplatzsünder streiten, wie besessen.
Der Grund kann nur die Namensgebung jenes Amtes sein.
Sie hießen sonst statt Poly- ja nur noch Monotessen.


August
Baustelle

Runtergebremst und runtergeschaltet,
eingefädelt und aufgeregt,
wie sich der Reißverschluss mühsam gestaltet,
weil nur ein Bruchteil versteht, wie es geht.

Rechts geschaut, links geschaut, keinen gesehen,
der hier was macht, geschweige denn baut,
Absperrpylone & Betonmischer stehen
zum staubigen Stillleben angestaut.

Weitergeschlichen, doch wen gesehen,
Brot verspeisen am Straßenrand,
Ich glaube die Baggerfahrer gehen
heut auch wieder früher, sind ausgebrannt.

Kopf geschüttelt, nicht drauf geachtet,
schneller geworden, amtlich geblitzt,
das Unglück des Tages solide gepachtet,
dazu kippt die Cola über den Sitz.

Lange gebummelt, jetzt ist es zu sehen,
geliebtes rundes weißgraues Schild,
der Fuß wird schwerer, gut zu verstehen,
wirklich recht zügig, wahrlich nicht wild.

Wie war die Fahrt, willst du gerne wissen,
och, eigentlich alles, wie immer.
Es startete leider schon ziemlich bescheiden
und wurde dann schlimmer...



Juli
Stadthafter Verkehrsfluss

Man macht es niemals allen recht,
egal, wie man es wendet,
der Raser ist des Blitzers Knecht,
bis man das Konto pfändet.

Der Schleicher, der nur Sonntags fährt,
kennt nur die Mittelspuren,
behutsam und gleichsam verkehrt
kommt er nicht recht auf Touren.

Es ist egal, wie Ampeln schalten,
einerlei, wer Vorfahrt hat,
zuviel, um sinnvoll zu verwalten,
so ist das Leben in der Stadt.

Juni
Autofahren

Täglich wird der Wahnsinn mehr,
die Schlangen werden länger.
Die Ampelphasen tun sich schwer,
der massiv steigende Verkehr
ist so, wie Heiserkeit beim Sänger.

Und der Frust wächst und gedeiht,
die Hälse aller werden breiter,
jeder hat zu wenig Zeit
und kein Verständnis für das Leid
der anderen Mitstreiter.

Ich stehe auch mal gerne an,
besser noch als Nahverkehr,
wo man auch nicht treten kann.
In einer vollbesetzten Bahn
fällt mir das Atmen schwer.

In meinem Auto kommen keine
Trommelburschen früh um Sieben,
da läuft Musik, ausschließlich meine
und da wird auch nicht mal eine
Straßenzeitung laut vertrieben.

Es hat sich niemand übergeben
auf die letzten freien Sitze
und es trinkt auch keiner neben
mir sein Morgenbier, von wegen
und vergisst dann seine Büchse.

Nein, nur ich und wen ich mag
fahren durch das weite Reich
und nur ich beschließe Start-
und auch Ankunftszeit zugleich.
Will ich Pause, mach ich Pause,
will ich links, dann wird’s gemacht,
will ich einfach nur nach Hause,
fahre ich durch jede Nacht.

Mai
Unter der Brücke

Seltsam, dass es unter Brücken
wenige nur unterdrücken,
denn man merkt ein Spielverhalten,
aufgezeigt durch runterschalten.

Die Krümmerdichtung ist porös,
der Auspuffstrang längst adipös,
gut verstärkt und reflektiert
wird der Polo lamborghiert.

Donnernd dröhnt der Fahrzeugpöter,
wie ein oller Straßenköter,
der zu klein zum Beißen ist
und diesen Umstand gern vergisst.

April
Kulturgut

Es steht am Straßenrand ein alter,
korrodierter EMW
und kein noch so bitter kalter
Winter bricht sein Negligé.

Sicher, hat der Rost gewütet,
nicht erst, seit es Vati sah.
Der Wagen stand nie wohlbehütet,
bewiesen durch die Patina.

Alles hat er überstanden,
keine Risiken gekannt,
Wille war genug vorhanden
bis er seinen Richter fand.

Kein Blitz, kein Sturm brach alle Banden,
es war der Mann vom Ordnungsamt...


März
Pater Pax

Am 26.02.2010 starb Pater Pax. Als Andenken an einen einzigartigen Menschen ist ihm dieser Text gewidmet, ruhe in Frieden, Pater.

Pater überreichte uns kleine Engel,
schutzbringend im Verlauf jeder Fahrt:
Ein Passus, ein Kreuz und eine Menge
Lebensfreude, der offensten Art.

Pax heißt Frieden, das habe ich verstanden
auch, wenn ich nie die Kirche fromm betrat.
Ein großes Herz, wie alle hier empfanden,
stirbt nicht einfach nach dem letzten Schlag.

Pater, so schmeckt die Unsterblichkeit,
kein Zweifel, dass er dich erkennt.
Es braucht keinen mehr, der Engel verteilt,
dir selbst wachsen Flügel durchs Hemd...


Februar
Warum Hupe

Warum heißt die Hupe so
wie sie heißt, denn ihr Gequäke
weißt schon durch das Klangniveau
auf den Namen – Mähpe!


Januar
Silvester

Das Jahr ist um, der Kalender zuende,
es ging, wie immer, alles zu schnell,
wir nehmen die Zündschnur in unsere Hände
und zünden, dann wird der Nachthimmel hell.

So stauben wir unsere Vorsätze ab,
wir glauben noch immer besessen,
schon schrauben wir Korken und essen Salat:
Erlauben wir uns das Vergessen!
 
Und draußen knallen die Leute wie blöde,
drinnen lallen die anderen mit,
Gläser prallen zur nächtlichen Rede,
Gedanken verhallen, sie halten nicht Schritt.

Und wer noch keine Sternschnuppe sah,
der baut sich eine Rakete,
dann schaut er gen Himmel, so werden sie war,
der Großteil, jener Gebete.

Das Jahr ist nun um, der Kalender zuende,
Wir trinken Likörchen, morgen ist frei
und nehmen die Zündschnur in unsere Hände,
wir zünden und seufzen ein wenig dabei.