IFA Kombinat IG
entdecken sie Wartburg und Co und einen Kerzenstecker voll Verkehrspoesie!

Poesie 2009

 

Dezember 
Modellauto

Kein Bisschen Kosten, wie Steuern und Parken,
kein bis zum Liefertermin darauf warten,
kein Vogelflatsch, gleich nach dem polieren,
und gar kein, im Winter, Türschlösserzufrieren.

Nicht ein Fahrerfluchtbeulenproblem -
einfach nur schön.

November
Parken und Reisen

Ein neues System, der Umwelt zuliebe,
damit es im Städtischen sauberer bliebe,
heißt Parken und Reisen.

Ich suchte lange nach Möglichkeiten
und fand letztlich einen verträglichen, breiten
Platz zum beweisen.

Nun steht er gemütlich, verzurrt und verspannt
und schaut völlig reglos ins wechselnde Land
und parkt seit wir fahren.

Kein CO2 und kein Krümel Dreck
entfleucht meinem ruhenden Auspuffgedeck,
um Umwelt zu wahren.

Parken und Reisen, eine tolle Idee
Ich fahre nicht I, sondern ADAC... 

Oktober
Gehupe
 
Was macht die Hupe populär?
Sie dient doch lediglich dazu
im lauten KFZ Verkehr
dem Feind zu zeigen; Jetzt nicht mehr,
nun fahre ich, nicht du.
Wozu denn immer so viel Lärm?
Sucht denn jeder nur noch Streit?
Sie schimpfen und sie hupen gern,
egal, ob Niere oder Stern,
beim Fahren fehlt die Menschlichkeit.

September
Paradoxe Verkehrsrowdies

Der Reisebusfahrer Bernd
hat eines im Leben gelernt;
Idioten, die tagsüber streiten,
und nerven, wie Unwägbarkeiten
sind nachts dankbare Gestalten,
sie helfen beim Augen aufhalten...

August (zum Wartburgtreffen Heimweh Eisenach)
Heimweh

Mein Wartburg hat geweint heut morgen
und ich habe es bemerkt,
seitdem mache ich mir Sorgen,
ob er mich nachher auch noch fährt.

Noch immer hängen dicke Tränen
ölig am Getrieberand
und ich muss ja nicht erwähnen,
dass ich das erschreckend fand.

Er hat den Gasbeton gefärbt
mit Getriebeöl und Schmerz
und glaubt, ich hab es nicht bemerkt,
er weiß, es geht mir gleich ans Herz.

Er hat Heimweh, nach zu Hause,
will zum Auslieferungstor,
braucht vom einsam Reisen Pause
und stellt sich Artgenossen vor.

Schafft man es also einmal jährlich
zum Wartburgtreffen auf die Spicke,
findet das mein Auto herrlich
und er ölt nicht mehr so dicke.

Juli
Fahrlässig

Der Drehzahlmesser scheint zu brechen,
biegt sich bitter um den Steg,
zappelt wild bei jedem Stechen
und macht Größenwahn konkret.

Der Auspuff schreit aus voller Kehle
jeden Überholten an.
Er ist doch keine Raserseele,
er fährt doch nur so schnell er kann.

Immer Dampf in allen Kesseln,
rote Zahlen, rote Stirn,
Adrenalin kann Sinne fesseln
oder gleich das ganze Hirn.

Ich sage es mal ganz gehässig,
dein Führerschein gehört gewindelt,
denn als du sagtest: „Ich fahr lässig!“,
hast du nicht einmal geschwindelt...

Juni
Das Autowrack

Auf einem Rastplatz an der A8
weinte ein ausgestoßener Wagen,
man hatte ihn hierher zum Rosten gebracht,
als es noch regnete, vor ein paar Tagen.

Er wollte bloß Pflege und träumte von Liebe
und hat jetzt nicht einmal mehr Scheiben im Kleid,
es blutet noch Öl aus seinem Getriebe, 
der Ausfahrt so nahe und trotzdem so weit.

Mai
Zweieinhalbtausend

Der Rost hat schon an mir gekaut,
die Farbe sprödet auf den Hauben,
Alltag hat mich anverdaut
und fraß schon erste kleine Schrauben.

Dennoch war ich stetig treu,
wir schrubbten reichlich Kilometer,
vieles ist ersetzt und neu,
ich brauche keinen Ölkatheter

Heute fuhrst du mich zur Fläche.
Das ist Beihilfe zum Mord!
Du bekommst ein wenig Zeche,
er mein Blech für den Export.

Der E- Magnet packt mich besonnen,
die Presse drückt mich mit Geschrei
und ich ersticke unter Tonnen...
Was du willst hast du bekommen
nur sag nicht, dass es gut so sei!"

April
Naturschutz an Frontscheibe

Früher haben sich Aktivisten
einfach auf die Gleise gekettet,
haben aus Zoos und anderen Kisten
jeden Bengalischen Tiger gerettet.
Holzfällern dann die Sägen entwendet,
Autos mit großen Motoren geschändet.
Früher, kämpfte man in einer Tour
um jeden Zentimeter Natur.

Heute, und das ist ja das Nette;
kann das schon jede grüne Plakette...

März
Belehrung nach STVO

Die Straßen sind voll in unseren Tagen,
das muss man ertragen.
So halte den Ärger im Maße
und fahr einfach so, als gehört dir dein Wagen
und nicht, wie du glaubst,
die Straße.

Februar
Boing

Die U-Bahn wollte nicht mehr fahren,
nein, viel lieber einfach fliegen,
träumte schon seit eins, zwei Jahren
von der Boing 737.

Genügend Anlauf kann sie nehmen,
vielleicht hebt sie hinten ab
und sie bringt den Zug auf Trab,
wartet ab, ihr werdet sehen;

„Boing“ machte es am Ende,
als das Gleisbett vor der Wand
einfach so im Stein verschwand.
Die Bahn zerknautschte bis zur Lende.

Nun fährt sie wieder, repariert
durch die Tunnel wie genäht.
Die Fluglust ist nun auskuriert,
sie hat gelernt, dass das nicht geht.
Sie weiß ja jetzt wofür der Name “Boing“ steht.


Januar
Der Fußgänger

An der ersten Ampel ignoriert er das Rot,
an der zweiten den Bus - so schnell ist man tot.
(Sein Schutzengel hätt' ihn bewahrt vor der Not,
doch der blieb ja stehen, man geht nicht bei Rot!)